Editorials

Jens Stechmann, Jörg Disselborg

25 Jahre Bundesarbeitstagung der Pflanzenschutzberatung

Gemeinsam mit dem Verband der Landwirtschaftskammern veranstaltet die Fachgruppe Obstbau seit fast fünfzig Jahren äußerst erfolgreich Tagungen für die Beratungskräfte im Obstbau.

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Die Tagung der Anbauberater für Kern- und Steinobst fand im Oktober 2016 zum 46ten Mal statt und die Pflanzenschutzberatertagung feierte in diesem Jahr das 25jährige Jubiläum. Die Beerenobstberatung trifft sich im Dezember zum 17. Mal.

 

Die Erwartungen an unsere Beraterinnen und Berater sind hoch. Sie müssen stets auf dem aktuellsten Informationsstand sein und für jedes Problem umgehend eine Lösung parat haben. Und zudem müssen Berater immer verfügbar sein. Die Beratertagungen der Fachgruppe helfen zumindest dabei, aktuelle Informationen sogar auf internationaler Ebene auszutauschen. Doch wie der Berufsstand ist auch die Obstbauberatung einem Strukturwandel ausgeliefert. Beratung ist Ländersache. Und so könnte die Struktur der Obstbauberatung in Deutschland kaum unterschiedlicher sein. Da sind Länder mit gut funktionierender Offizialberatung und Länder, in denen es überhaupt keine Offizialberatung mehr gibt. Bis hin zu Bundesländern, in denen die Beratung zum größten Teil vom Berufsstand finanziert wird. Immer öfter werden Stellen nicht mehr besetzt oder Berater werden mit Kontrollaufgaben betraut. Dabei ist Beratung ein entscheidender Baustein für eine nachhaltige, ökologisch und ökonomisch erfolgreiche Produktion und heute wichtiger denn je.

 

Denn als ob wir mit der Obstproduktion an sich unter wechselhaften Witterungsbedingungen nicht schon genug zu tun hätten, steht unser Berufsstand unter massivem Druck. Wir sollen beste Qualitäten produzieren und gleichzeitig werden uns die Möglichkeiten des Pflanzenschutzes und der Düngung beschnitten. Wir sollen höchste Sozialstandards und gleichzeitig höchste Kosteneffizienz bieten. Wir sollen Ressourcen schonen und gleichzeitig die Produktion von Lebensmitteln in den Regionen halten. Wir sollen den integrierten Pflanzenschutz weiter entwickeln, den Nationalen Aktionsplan umsetzen, die Biodiversität steigern und das Landschaftsbild nicht mit Netzen und Dächern beeinflussen. Dies und vieles mehr sind die gesellschaftlichen und politischen Erwartungen an uns. Gleichzeitig bekennt sich die Politik zur regionalen Produktion von Obst. So hat der Bundestag am 21. Oktober 2016 in erster Lesung einen Antrag der Regierungskoalition mit der Überschrift „Gartenbau als innovativen Wirtschaftszweig stärken und zukunftsfest machen“ verhandelt.

 

Hier prallen Welten aufeinander. Anspruch und Realität sind weit voneinander entfernt. Wir können, müssen und wollen uns weiter entwickeln und anpassen. Doch stehen Erfolg und Geschwindigkeit in direkter Abhängigkeit vom Vorhandensein einer gut strukturierten Beratung in den Ländern. Wir können noch Stunden und Tage in Berlin und Bonn über den Nationalen Aktionsplan und Leitlinien für den integrierten Pflanzenschutz beraten. Eine Umsetzung in der Praxis ist nur mit intensiv beratender Begleitung möglich. Die Bundesregierung hat sich im Nationalen Aktionsplan verpflichtet, die Beratung zu fördern. Die Verantwortung wird aber auf die Landesebene verschoben. Wenn dort die Multiplikatoren jedoch fehlen oder nicht gewillt sind, nützt alles Reden herzlich wenig.

 

Für die Ländern muss zunächst die Einführung neuer Erkenntnisse in die Praxis und die begleitende Beratung im Vordergrund stehen. Das Werkzeug der Kontrolle ist nicht dafür geeignet, gute Ansätze in der Praxis umzusetzen. Und der Bund hat eben auch seinen Teil zu leisten und muss einen Weg finden, die Länder bei der Finanzierung der Beratung zu unterstützen (vgl. Gartenbauantrag im Bundestag). Ein Wegducken darf es nicht geben.

Es ist unsere gemeinsame Aufgabe auf Landes- und Bundesebene, eine Beratungsstruktur einzufordern, die allen Belangen gleich gerecht werden kann.

 

 

 

 

 

Jens Stechmann                            Jörg Disselborg
- Bundesvorsitzender -                 - Geschäftsführer - 

 

Herkunft

Dieser Artikel stammt aus Ausgabe 11/2016

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