Editorials

Jens Stechmann, Jörg Disselborg

Export: Absatzmärkte im Ausland auch für Äpfel dringend notwendig

Made in Germany steht für Qualität, Sicherheit und Zuverlässigkeit.

Deutschland ist eine der führenden Exportnationen für Lebensmittel – allein im Jahre 2015 wurden Lebensmittel im Rekordwert von 55,3 Milliarden Euro exportiert. Das Exportgeschäft trägt 32 Prozent zum Branchenumsatz der Ernährungsbranche bei. Das exzellente Preis-Leistungs-Verhältnis, die hohe Qualität und Zuverlässigkeit deutscher Hersteller werden weltweit geschätzt. Das Wachstum im Exportgeschäft übertrifft sogar die Umsatzentwicklung auf dem Heimatmarkt. Hauptabsatzmarkt für deutsche Lebensmittelexporte ist mit rund 80 Prozent der EU-Binnenmarkt. Die wichtigsten Handelspartner sind die Niederlande, Frankreich und Italien. Absatzmärkte in Drittländern werden für das Exportwachstum der Ernährungsbranche in Zukunft aber immer bedeutender. Die wichtigsten Drittlandsmärkte sind die USA, Schweiz, China und Russland. Die größten Chancen bieten sich auf Märkten mit ähnlichem Konsumverhalten, hoher Kaufkraft und gut entwickelten Vertriebsstrukturen.

 

Klingt ja alles ganz schön. Aber was hat der deutsche Apfel davon? Mit der heimischen Apfelproduktion decken wir gerade einmal rund 60 Prozent des Bedarfs vor der eigenen Haustür. Wäre es nicht sinnvoller, dem sinkenden Obstkonsum hier vor Ort mit größten Anstrengungen entgegen zu wirken und den Absatz hier im Heimatland zu forcieren? Das komplexe System aus irrationalem Verbraucherverhalten und dem Gebaren eines monopolartigen Lebensmittelhandels erlaubt keine einfache Antwort auf diese Frage. Hier gilt eindeutig: Wir müssen das eine tun ohne das andere zu lassen. Der Absatz deutscher Äpfel im Heimatland steht natürlich im Vordergrund, denn mit über 80 Millionen Verbrauchern haben wir den stärksten Nachfragemarkt innerhalb der EU. Aber für unsere Äpfel benötigen wir auch Absatzmärkte außerhalb der EU als wichtiges Marktventil für bestimmte Sorten und Größen in bestimmten Zeiten.

 

Seitdem Präsident Putin im Jahr 2014 den Importstopp auch für Obst verhängte, hat das Thema Exportmarkterschließung immens an Bedeutung gewonnen. Unsere Erzeugerorganisationen setzen sich ganz massiv für die Öffnung von neuen und bisher verschlossenen Apfel-Drittlandsmärkten ein, um im harten Wettbewerb mit dem innereuropäischen Ausland nicht noch stärker an Boden zu verlieren. Wir können nicht verstehen, warum die Berufskollegen aus Holland, Belgien, Polen, Frankreich und Italien in bestimmte und sehr interessante Zielländer liefern dürfen – wir aber nicht.

 

Landwirtschaftsminister Christian Schmidt hat der Branche im Jahr 2014 zugesagt, die Marktöffnung für Äpfel zukünftig mit größerem Engagement zu unterstützen. Hierzu wurde unter anderem ein Vertrag zwischen dem Julius Kühn Institut (JKI) und der Bundesvereinigung der deutschen Erzeugerorganisationen (BVEO) geschlossen, um die notwenigen Risikoanalysen für neun bevorzugte Zielländer (Brasilien, China, Indien, Kanada, Südafrika, Südkorea, Taiwan, Thailand und Vietnam) zu erstellen und die Marktöffnung voranzutreiben. Umfassende Arbeiten des Instituts und des Ministeriums sind bereits erfolgt. Bisher ist jedoch noch keines der angestrebten Zielländer für deutsche Äpfel geöffnet. Polen hat dagegen nur zwei Jahre für die Öffnung des chinesischen Marktes gebraucht. Wir sehen bei unseren europäischen Nachbarn deutlich mehr Erfolg durch mehr Engagement. Dies wünschen wir uns auch von den deutschen Behörden.

 

Um künftig professioneller und zwischen den beteiligten Institutionen abgestimmter bei der Exportmarkterschließung vorgehen zu können, erarbeitet das Ministerium derzeit eine entsprechende Leitlinie. Dies ist grundsätzlich zu begrüßen, aber nur erfolgreich, wenn den Worten auch Taten folgen. Die bislang eingerichteten Stellen für die Exportmarkterschließung im JKI müssen dauerhaft etabliert werden, um eine kontinuierliche Bearbeitung der Exportmarktöffnung zu gewährleisten. Die Zeit drängt!

 

Der Export ist eines von vielen Themen, die wir aus diesem Jahr mit ins nächste nehmen werden. Ihnen und Ihren Familien wünschen wir eine ruhige und entspannte Adventszeit, ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Start ins neue Jahr 2017. 

 

 

 

 

 

Jens Stechmann                            Jörg Disselborg
- Bundesvorsitzender -                 - Geschäftsführer - 

 

Herkunft

Dieser Artikel stammt aus Ausgabe 11/2016

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